Die Seeluftstreitkräfte...

Die Anfänge:

Das erste Flugzeug der deutschen Marine war der Fritzsche-Eindecker, den der flugbegeisterte Oberleutnant zur See Fritzsche der kaiserlichen Marine im Jahre 1911 geschenkt hatte. Das Flugzeug war eigentlich ein Landflugzeug und wurde für Schwimmversuche mit sogenannten Schwimmkästen ausgerüstet. Diese Kombination Räder-Schwimmer war damals eine Forderung der Marine an das Marineflugzeug. Diese Kombination wurde später aufgrund von zahlreichen Fehlschlägen fallengelassen.

Am 01. Juni 1913 wurde die Aufstellung einer Marineluftschiff- und Marinefliegerabteilung befohlen. Als Gründungsurkunde der Marineflieger gilt die allerhöchste Kabinettsorder vom 03. Mai 1913, die von Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich unterzeichnet worden war. In diesem Erlass wurde die Aufstellung einer Marine-Luftschiffabteilung mit vorläufigem Standort in Johannesthal bei Berlin und einer Marine-Fliegerabteilung mit Standort in Putzig bei Danzig angeordnet. Kurz vor Kriegsausbruch 1914 besaß die Marine nur ca. 20 brauchbare Seeflugzeuge. Am Tage der Mobilmachung konnte man weitere 15 zivile Maschinen auf einem Seeflugwettbewerb beschlagnahmen.

Der Erste Weltkrieg führte zu einem rasanten Aufbau der Marinefliegerei. 2500 Flugzeuge und 76 Luftschiffe wurden während des Krieges in Dienst gestellt. 1166 Flugzeuge gingen im Krieg verloren. Im November 1918 gab es 32 Seeflugstationen. Abgeschossen wurden von den deutschen Seefliegern 270 feindliche Flugzeuge, 6 Fesselballons und 2 Luftschiffe. 1 Zerstörer, 4 Handelsschiffe, 3 U-Boote und 4 Schnellboote wurden mit Bomben oder Torpedos versenkt, weitere z.T. stark beschädigt. 3011 mal stiegen die Luftschiffe auf. Davon waren 934 Aufklärungsfahrten und 276 Angriffsfahrten. Von den 76 Marine-Luftschiffen gingen 21 durch Feindeinwirkung und 33 durch Naturgewalten wie Blitzschlag und Sturm verloren. 40% des fliegenden Personals kam ums Leben.

Am 9. September 1920 fand der letzte Appell der 1. See-Flieger-Abteilung in Gegenwart des Staffelchefs der Ostsee statt - die kaiserlichen Seeflieger waren endgültig aufgelöst.

Die geheime Aufrüstung:

1920Als Grundstock für eine zukünftige Seeluftwaffe wurden 20 Fliegeroffiziere der Marine in das Reichsheer übernommen, sie dienten in den verschiedensten Formationen und waren in einer geheimen Fliegerliste enthalten.
19221. Theoretischer Fliegerlehrgang für Fähnrich zu See in Stralsund.
19232. Lehrgang der Marine
1924Beginn einer planmäßigen Fliegerausbildung auf zivilen Schulen. Gründung der Sportflug GmbH mit Fliegerschulen u.a. in Warnemünde und Berlin-Staaken.
1925Ab diesen Zeitpunkt eine jährliche Ergänzung des alten Fliegerstammes. Bei der Reichsmarine waren es 12 Seekadettenanwärter. Gründung der SEVERA (See-Flugzeug-Versuchsabteilung) für die Ausbildung von Marineflieger. Hierbei handelte es sich um eine paramilitärische Organisation, die von Kapitän zur See Lahs ins Leben gerufen wurde, der seit 1924 das Referat AII, 1. Abteilung Luftfahrt im Reichsmarineamt übernommen hatte. Lahs hatte die Aufgabe, auf allen Gebieten Vorarbeit zu leisten, die durch den Versailler Vertrag eingeschränkt bzw. verboten waren. So richtete sich also die SEVERA in den Räumen der ehemaligen Seefliegerstation ein und bildete unter dem Deckmantel ziviler Tarnung zukünftige Marineflieger aus. Ihre Flugzeuge dienten der Marine als Scheibenschlepper für Schießübungen der Flak und zur Zieldarstellung. Sogar Seenoteinsätze wurden ab diesem Zeitpunkt geflogen. Die SEVERA hatte Ausbildungsstätten in Holtenau, Norderney, Swinemünde, Wangerooge und Wilhelmshaven-Rüstringen . Flugleiter: Ltn.z.S. d.R. Osterkamp. Beginn mit einem Beobachter-Offizierslehrgang.
01.04. - Gründung der Deutschen Verkehrsfliegerschule (DVS). Seefliegerschulen waren in: Warnemünde, Stettin-Altdamm und auf Sylt.
192621.05. - Auf Druck der Allierten Auflösung der Sportflug GmbH und Übernahme durch DVS.
1927Entwicklung verschiedener Typen durch die Luffahrtindustrie. Bei Seeflugzeugen durch Dornier, Heinkel, Rohrbach, Bayerische Flugzeugwerke und Junkers.
1928Beginn der Erprobungen von Seeflugzeugen bei der Seeflugzeug-Erprobungstelle (SES) Travemünde.
01.10. - 1. Seebeobachterausbildung in Warnemünde.
1930Waren es schon 50 Marineflieger und Beobachter.
1931Stand der Ausbildung: 50 ausgebildete Fliegeroffiziere bei der Reichsmarine.
193228.07. - Aufstellungsverfügung der Luftstreitkräfte für das neue Friedensheer mit 22 Frontflugzeugstaffeln.

Der Aufbau der Marine- / Seefliegertruppe:

1933Nach wie vor bestanden die Verbotsbestimmungen des Versailler Vertrages hinsichtlich der Existenz einer Luftwaffe; erforderlich war dessen eine lückenlose Tarnung.
25.03. - Wurde als Tarneinrichtung der Deutsche Luftsportverband (DVL) geschaffen. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Reichsmarine, die in den Befehlsbereich des Reichsluftfahrtminsterium (RLM) überführt wurden, schieden aus der Reichswehr aus und wurden Reichsangestellte. Ausbildungsstätten waren u.a. die Seefliegerhorste Holtenau, Warnemünde, Norderney, List und Travemünde.
01.04. - Einrichtung des Luftschutzamtes im Reichswehrministerium als zentrale Stelle für alle Luftwaffenangelegenheiten bei Heer und Marine.
27.04. - Entstehung des Reichsluftfahrtministeriums (RLM)
15.05. - Geburtsstunde der neuen Luftwaffe als dritter Wehrmachtsteil. Gleichzeitig überführung des Luftschutzamtes ins RLM.
14.08. - Aufstellung des Kommandos Fliegerschulen See mit 3 Schulen ( Warnemünde I u. II, Travemünde ), der Beobachterschule See in Warenmünde, der Bomberschule See in Bug auf Rügen.
01.10. - Aufstellung der Seeübungsstaffel in Warnemünde.
01.12. - existierten bereits folgende Verbände:
Seefliegerstaffel Holtenau (Tarnname: Luftdienst e.V.),
Seefliegerstaffel List (Tarnname: Deutsche Verkehrsfliegerschule GmbH, Zweigstelle List)
193401.04. - Aufstellung der Luftkreiskommandos I – VI, Luftkreis-Kommando VI Kiel / See bis zum 31. März 1935 als Gehobenes Luftamt VI bezeichnet.
01.07. - Aufstellung des Führer der Marineluftstreitkräfte (F.d.Luft) in Kiel.
01.10. - Aufstellung einer Jagdstaffel (See) in Kiel-Holtenau.
19355 Seefliegerhorste waren betriebsbereit: Holtenau, List auf Sylt, Norderney, Warnemünde, Travemünde. Im Ausbau befanden sich : Swinemünde, Nest, Pillau, Wilhelmshaven, Bug auf Rügen.
01.04. - Aufstellung von drei weiteren Seefliegerstaffeln
1936Stand der Seefliegerkräfte: 1 Küstenfliegergruppe, 1 Küstenjagdgruppe und 4 selbstständige Staffeln.
1937Stand der Seefliegerkräfte: 3 Küstenfliegergruppen, 1 Küstenjagdgruppe und 2 selbstständige Staffeln.
12.10. - Luftkreiskommando VI wird in Luftkreis-Kommando 6 umbenannt.
193804.02. - Luftkreis-Kommando 6 wird zum Luftwaffenkommando See umgegliedert.
Stand der Seefliegerkräfte: 4 Küstenfliegergruppen, und 4 selbstständige Staffeln.
193901.02. - Luftwaffenkommando See wird aufgelöst. Einrichtung eines Verbindungsoffizier bei der Marine zur Luftwaffe. General der Luftwaffe beim Oberbefehlshaber der Marine.
01.03. - Stand der Seefliegerkräfte: 5 Küstenfliegergruppen mit 13 Staffeln und 2 selbstständige Staffeln.

Bis Ende September 1939, fast drei Wochen nach Kriegsausbruch (1. Sept. 1939) verfügten die Seeflieger über 139 Seeflugzeuge, davon 134 einsatzbereit.


Zu den Organisationen der Seeluftstreitkräfte: